• Karsten

Bitcoin kaufen bei der Volksbank Raiffeisen Bayern Mitte eG

Aktualisiert: 6. Juli


Seit kurzem kann man bei einer Volksbank Bitcoins kaufen und verwahren. So zumindest steht es auf der Website der Bank. Wir wollen uns das Angebot etwas näher anschauen und sehen, was es damit wirklich auf sich hat.


Auf den ersten Blick sieht man auf der Internetseite viele Informationen und tolle Sätze wie z.B. „Bitcoins verwahren mit der VR-BitcoinGoCard“. Es entsteht der Eindruck, dass hier eine Bank etwas Komplexes entwickelt hat, wo ich die Möglichkeit habe Bitcoin zu kaufen und die Sicherheit einer großen deutschen Bank bekomme.


In Wirklichkeit hat die Bank einen komplizierten Weg gefunden etwas Umsatz zu generieren, was jeder Bürger eigentlich schneller auch ohne Bank und deutlich günstiger hin bekommt. Doch ganz so schnell wollen wir den löblichen Ansatz der Bank nicht abtun.


Wenn man es von der Seite eines Kunden betrachtet, der keine Ahnung von den technischen Umsetzungen des Bitcoin-Universums hat und zufällig eh schon Kunde der Bank ist, könnte er sogar profitieren und die erhöhten Kosten durch die Beratung durchaus gerechtfertigt sein. Am Ende des Prozesses der Bank, hat dieser Kunde seine eigenen On-Chain Bitcoin Wallet und trägt wie jeder echte „Bitcoiner“ die Verantwortung für sein Wallet ganz alleine.


Wie funktioniert das alles in einem Kurzüberblick:

Der Bankkunde (mit Onlinezugriff) bestellt sich eine VR-BitcoinGoCard. Auf dieser Karte hat er nun eine On-Chainadresse und einen Privatekey. Dafür hat er jetzt schon mal 40 Euro bezahlt. Nun kann er über das BitcoinGo-Handelsportal von seinem Konto aus Bitcoin kaufen. Das bedeutet, dass die Bank ein Abkommen mit einem Drittanbieter hat, wohin sie das Geld des Kunden auf Wunsch überweist und dieser den Betrag in Bitcoin auf die Bitcoinadresse des Kunden schickt. Schon hat der Kunde Bitcoins. Übrigens hat er für diese Aktion 2,5% des zu wechselnden Betrags an Gebühren bezahlt.

Wenn man bedenkt, dass der Kunde offensichtlich vorher nichts mit Bitcoin zu tun gehabt hat und wahrscheinlich vorher noch eine Beratung bekommen hat, kann man eigentlich zufrieden sein, dass es auch solche Wege in den Bitcoin-Space gibt.


Und wenn man die Bitcoin wieder verkaufen möchte? Jetzt kommt der Punkt, wo bei allen positiven Gedanken, das Projekt doch eher schlicht erscheint. Denn jetzt bekommt man den Hinweis, wie man eine Wallet einrichtet (Blue Wallet heisst die Empfehlung) und dann seine Bitcoin an eine andere Adresse schicken kann. Ja das ist einfach und hätte ich auch von Anfang an so machen können. Leider wird dem Kunden hier nicht verraten, wie er die Bitcoins wieder zu Euro macht und was die Steuer zu den etwaigen Gewinnen sagt, oder wie dort der Ablauf ist (Gebühren etc.).


Wenn der Kunde den einfachsten Weg, ohne extra Kundenidentifizierung, über Relai oder Pocket geht, lädt er die entsprechende App herunter, überweist von irgendeinem Konto einen Betrag zu dem Anbieter und hat so für ca.1,5% seine Bitcoin auf einem On-Chain Wallet, welches die Anbieter gleich mitliefern. Alles ohne Extrakosten. Und zurück in Euro geht der Weg bei diesen Anbietern genauso. Der Vollständigkeit halber müssen wir hier noch erwähnen, dass es über Bitcoin-Börsen oder Broker mit einer Identifizierung nochmals günstiger ist, Bitcoin zu kaufen und man dort ca. 0,5%-1% an Gebühren zahlt, bis man seine Bitcoin auf seiner eigenen On-Chain Wallet hat.


Ja was ist das, was die VR Bank hier macht? Sagen wir es so: Es ist das Beste, was man ohne Kryptoverwahrlizenz und ohne Anbindung an das eigene Kernbankensystem machen kann. Ohne Kryptoverwahrlizenz darf die Bank die Bitcoins nicht im Namen des Kunden halten. Das würde verhindern, dass der Kunde alles verliert, wenn er seinen Private-Key nicht mehr findet und das ganze Bitcoin-Handling deutlich vereinfachen. Ob man generell möchte, dass eine Bank die Keys hält, sei an dieser Stelle dahingestellt. Auf jeden Fall ist es im Moment in Deutschland, auch für eine Bank, schwierig und langwierig solch eine Lizenz zu erhalten.


Des weiteren haben alle Volksbanken in Deutschland etwas gemeinsam und das ist die IT. Sie wird von der Atruvia AG unterhalten und erweitert (Atruvia entstand aus dem Zusammenschluss von Fiducia und GAD). Das Kernbankensystem müsste wahrscheinlich für diesen Bereich umfangreich erweitert werden, was dann für alle VR Banken zur Verfügung stehen würde. Allerdings müssten sich vorher auch alle VR Banken über den Funktionsumfang und die Kosten einig werden, was durchaus Zeit in Anspruch nimmt.

Hier sieht man, was es eine Bank an Aufwand und Finanzmittel kosten würde, eine richtige Migration von Bitcoin in das Alltagsgeschäft durchzuführen. Im momentan unsicheren Umfeld der Krypto-Gesetzgebung der EU, wäre das durchaus ein mutiges Vorhaben.


Somit ist der Ansatz der Volksbank Raiffeisen Bayern Mitte eG ein ordentlicher Schritt in die richtige Richtung und zeigt was man ohne Erweiterung des eigenen Kernbankensystems und regulatorischer Genehmigungen im Bereich Bitcoin machen kann/darf. Da das Ganze auch noch einen Touch von Bank und Vertrauen hat, ist es auf jeden Fall besser als nichts. Die Bank begibt sich in ein neues Umfeld und wird, wenn es die Regulierung zulässt, wahrscheinlich später dann auch ein Angebot machen können, dass dem Kunden einen echten Mehrwert bringt.

Bis dahin werden auf jeden Fall wertvolle Erfahrungswerte geschaffen, welche in Zukunft sehr nützlich sein werden.


Wir bleiben gespannt und werden das Projekt im Auge behalten…


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